24. APRIL 2020

Worauf sollte man beim Familienbett achten?

Den Nachwuchs im Familienbett unterbringen, oder nicht? Das Thema „Co-Sleeping“ ist unter werdenden Eltern ein durchaus umstrittenes Thema. Während Befürworter mit der Geborgenheit der elterlichen Nähe argumentieren, gibt es auch skeptische Stimmen, die um die Gesundheit von Babys und Kleinkindern fürchten. Was ist dran an derartigen Vorbehalten und worauf solltet ihr achten, wenn ihr euch für ein Familienbett entschieden habt?

 

Familienbett, nein danke – Das sagen die Kritiker

Die häufigsten Bedenken gegen das Familienbett drehen sich um ein vermeintliches Sicherheitsrisiko, wenn Eltern und Kinder gemeinsam in einem Bett schlafen. Von einer zu weichen Matratze über die sogenannte «Besucherritze» bis hin zur Bettdecke werden alle möglichen Gefahrenquellen für Säuglinge diskutiert. Beistellbetten sind daher eine beliebte Lösung für junge Eltern, die den Nachwuchs sicher gebettet und gleichzeitig in unmittelbarer Nähe wissen wollen.

Auch die Privatsphäre der Eltern wird häufig als Contra-Argument gegen Co-Sleeping genutzt. Wenn sich alle im Familienbett tummeln, ist für jeden weniger Platz zu befürchten und die Zweisamkeit der Eltern bleibt dabei ebenfalls auf der Strecke. Diese Einwände lassen sich weder pauschal bestätigen noch widerlegen. Wie oft ein Kind in der Nacht gestillt oder gefüttert werden möchte, ist schliesslich individuell verschieden. Praktisch ist es jedenfalls, wenn die Mutter das Bett dafür nicht verlassen muss und anschliessend entspannt wieder einschlafen kann.

Unbeliebt ist das Familienbett unter Kritikern ebenfalls aufgrund einiger Studien, die einen Zusammenhang zwischen Co-Sleeping und ernsten gesundheitlichen Risiken für den Nachwuchs sehen, sofern ein Elternteil raucht, Alkohol konsumiert oder Medikamente einnimmt. Fachverbände empfehlen daher: Ein Kleinkind sollte die Nachtruhe im eigenen Bett, im Schlafsack und idealerweise in Rückenlage verbringen und hat im Bett der Eltern nichts verloren. Einige aktuelle Studien hingegen zeigen, dass Babys im gemeinsamen Familienbett länger gestillt werden, was sich wiederum förderlich auf die Gesundheit auswirkt.

Was, wenn der Nachwuchs die gemeinsame Schlafstätte gar nicht mehr verlassen möchte? Auch das ist ein häufiges Argument gegen das Familienbett. Tatsächlich kann es Kindern, die an die elterliche Nähe gewöhnt sind, zunächst schwerfallen, allein einzuschlafen. In diesem Fall ist Geduld in der Umgewöhnungsphase gefragt. Den umgekehrten Fall gibt es übrigens auch: Kinder, die sich selbst plötzlich als „zu gross“ empfinden und freiwillig aus dem Bett der Eltern ausziehen. Jedes Kind ist verschieden, daher solltet ihr eine individuelle Lösung für eure Familie austesten!

Kuscheln erwünscht – Das spricht für ein Familienbett

Vorteile des Familienbettes

 

Allen Skeptikern zum Trotz gibt es eine Vielzahl junger Eltern, die das Familienbett schätzen. Für Säuglinge kann die direkte Nähe der Eltern positive Effekte haben, weil sie sich nachts umso geborgener und beschützter fühlen. Auf diese Weise wird eine innige Bindung zwischen der jungen Familie gefördert, und häufig gleichen sich bei gestillten Babys die Schlafphasen von Mutter und Kind an.

Studien zeigen, dass frischgebackene Mütter im Familienbett fast immer seitlich schlafen, dem Baby zugewandt, und den eigenen Nachwuchs durch diese Schlafposition instinktiv beschützen. So liegt das Baby flach auf der Matratze, nicht zu dicht am Kopfkissen und kann auch nicht zu tief nach oben oder unten rutschen, weil Arme und Knie der Mutter eine natürliche Barriere bilden. Darüber hinaus stimuliert die Atmung der Eltern den Atemrhythmus des Babys, der bei Neugeborenen noch nicht so gefestigt ist, und hilft ihm dabei, sanft und ruhig weiterzuschlafen. 

Voraussetzungen für ein gemeinsames Familienbett

Voraussetzungen für das Familienbett

 

Wenn ihr persönlich von den Vorteilen einer gemeinsamen Schlafstätte überzeugt seid, solltet ihr einige wichtige Voraussetzungen für das Familienbett beachten:

 

  • Das Bett ist gross genug, damit alle ausreichend Platz haben. Eine Liegefläche ab 140 cm Breite ist empfehlenswert, beim Co-Sleeping mit einem Baby sogar ab 180 cm.
  • Im Bett gibt es weder Spalten noch Ritzen, in die der Nachwuchs rutschen könnte. Wenn ihr zwei getrennte Matratzen besitzt, kann ein Topper für eine durchgängige Liegefläche sorgen. Zudem sollte die Matratze fest sein – allzu softe Schlafunterlagen oder Wasserbetten eignen sich nicht für ein Familienbett.
  • Das Baby liegt in einem eigenen Schlafsack, ohne zusätzliche Decke oder Kissen.
  • Alkohol, aber auch einige Medikamente können dafür sorgen, dass ihr einen tieferen Schlaf habt und euch nicht in vollem Umfang um die Sicherheit eures Kindes kümmern könnt. Beide Elternteile müssen daher nüchtern sein.
  • Das Familienbett ist für Raucher komplett tabu: Selbst, wenn im Haus oder der Wohnung nicht geraucht wird, setzt sich Zigarettenrauch in Haut und Haaren und dadurch auch in der Bettwäsche fest.
  • Auch Haustiere müssen draussen bleiben, da sie instinktiv Wärme suchen und versehentlich die Atemwege des Säuglings blockieren könnten. Gleiches gilt für Kuscheltiere: Kleinkinder können sich in den ersten Lebensmonaten nämlich nicht selbst aus einer Gefahrensituation befreien.

Welche Lösung ist nun die Beste? Ob Co-Sleeping im Familienbett grundsätzlich infrage kommt oder nicht, muss jede Familie für sich selbst entscheiden. Wichtig ist, dass ihr euch beide einig seid und euch mit dieser Schlafpraxis wohlfühlt. Hat ein Elternteil jedoch Bedenken und fürchtet etwa, dem Baby im Schlaf möglicherweise wehzutun, solltet ihr diesen Ängsten Raum geben und nach einem geeigneten Kompromiss suchen. Eine weit verbreitete Lösung, die meist auch von Kinderärzten empfohlen wird: Das Baby schläft im gleichen Zimmer, allerdings in einem eigenen Kinderbettchen. Die Hauptsache ist, dass sich alle wohlfühlen! 😊