9. SEPTEMBER 2019
Mondsüchtig – Was ist dran am Mythos Vollmond

Von Vollmond zu Vollmond dauert es genau 29 Tage, 12 Stunden und 44 Minuten. Dann kehrt er der Sonne wieder dieselbe Seite zu und zieht die Menschen mit seinem weissen Licht in seinen Bann. Bereits seit Hunderten von Jahren ranken sich verschiedenste Gerüchte über die Kräfte des Vollmonds. Doch was ist dran an den Legenden? Wir nehmen die bekanntesten Mond Mythen für euch unter die Lupe und klären was Fakt ist und was erfunden.

 

Werwölfe

Beginnen wir gleich mit dem wohl fantastischsten Mythos, dem der Werwölfe. Die Legenden besagen, dass Menschen die von einem Werwolf gebissen werden sich immer bei Vollmond selbst in einen Werwolf verwandeln. In der Gestalt eines riesigen Wolfes sind sie dann nicht mehr Herr ihrer Sinne und greifen Menschen und Tiere an. Hier ist uns schnell klar, dass es wohl keine Werwölfe gibt, doch woher kommt dieser Mythos? Die wahrscheinlichste Theorie zur Entstehung ist, dass das Geheule von Wölfen bei Nacht, zu dem Gedanken führte, sie würden den Mond anheulen, zu einer Zeit in der die Wölfe noch verbreiteter waren und bei den Manchen sehr gefürchtet. Da die Tiere im hellen Licht des Vollmondes erfolgreicher jagen und besonders nachts aktiv sind, war ihr Wolfsgeheul in diesen Nächten wahrscheinlich häufiger zu vernehmen. Die Angst vor den Tieren, in Zusammenhang mit dem Vollmond führte so wahrscheinlich zu dem Mythos des Werwolfs.

 

Werwölfe

 

Schlecht schlafen

Das wir in Vollmondnächten schlechter schlafen ist bis heute der bekannteste Mythos. Viele Menschen sind sich absolut sicher, dass der Vollmond ihren Schlaf beeinflusst. Wissenschaftlich konnte dies bisher jedoch nicht belegt werden. Die Begründung vieler, der Mond wirke sich auf das Wasser in unserem Körper aus, vor allem auf unser Gehirn, kann wissenschaftlich als Irrglaube belegt werden. Der Mond steuert zwar die Gezeiten der Meere, jedoch reicht die Gravitationskraft nicht einmal für grössere Seen. Die Auswirkung auf den Menschen ist dementsprechend so minimal, dass sie keine weitere Wirkung erzielt. Wer keine richtige Verdunkelung für seine Schlafzimmerfenster besitzt, könnte natürlich durch den hellen Mondschein am Einschlafen gehindert werden. Am häufigsten ist aber die Begründung der selbsterfüllenden Prophezeiung. Wer glaubt, er schläft in Vollmondnächten schlecht, wird es durch die vorher bereits feststehende Überzeugung wahrscheinlich auch tun.

 

Doch kein Aberglaube?                                              

Ihr seid noch nicht überzeugt? Verständlich, denn es gibt ebenso häufig den Fall, dass Menschen erst im Nachhinein erfuhren, dass in einer Nacht, in der sie sehr schlecht schliefen, Vollmond war, denn wer weiss schon immer genau in welcher Mondphase wir uns gerade befinden? Alles nur Zufall oder ist doch etwas Wahres dran an dem Mythos? Tatsächlich gibt es noch eine interessante Idee, warum der Mensch in Vollmondnächten schlechter schläft, auch wenn sie bisher nicht endgültig bewiesen wurde. Diese sieht in der Begründung unsere innere Uhr, da der Rhythmus des Mondes unseren biologischen Rhythmus vorgibt. Selbst in einem abgeschlossen Raum würden wir nach derselben Zeit hungrig und müde werden. Denn der bestehende zeitliche Rhythmus unseres Körpers liegt in unseren Genen. Wie bis heute einige Tierarten, in Vollmondnächten wachsamer sind, da sie in dem hellen Mondlicht leichter zur Beute werden, blieben auch unsere Vorfahren in diesen Nächten besonders wachsam. Wer in einer Vollmondnacht fest schlief, lief Gefahr von wilden Tieren getötet zu werden. Daher könnte hier eine Selektion stattgefunden haben. Die Unruhe in Vollmondnächten und der Hang zum wach sein, könnte somit in unseren Genen liegen. Also vielleicht ist an dem Mythos letztlich doch mehr Fakt, als Erfindung.

 

Mythen rund um den Vollmond

 

Schlafwandeln

Die magischen Kräfte des Mondes sollen noch weitere Auswirkungen haben. So kursiert der Glaube, in Vollmondnächten würden Menschen häufiger schlafwandeln. Dass der Körper durch seinen hohen Anteil an Wasser von dem Mond und seiner Gravitation angezogen wird, haben wir bereits als Irrglaube belegt. Der Mond hat laut der Wissenschaft keine Anziehungskraft auf das Wasser in unserem Körper. Doch so schnell ist auch dieser Mythos nicht vom Tisch, denn was stimmt, ist, dass Schlafwandler vom Licht angezogen werden. Scheint der Mond hell durch das Fenster, besteht also tatsächlich eine höhere Wahrscheinlichkeit zum Schlafwandeln. Dies ist jedoch nur in ländlichen Gegenden der Fall, da in den grossen Städten allgemein auch nachts viele Lichtquellen vorhanden sind. Der Schlafwandler bewegt sich immer in Richtung des Lichts. Ist der Mond die einzige Lichtquelle, läuft er also wie magisch angezogen auf diesen zu. Wie viel Magie jedoch dahintersteckt, kann wohl nie endgültig bewiesen werden.

 

Schlafwandeln bei Vollmond

 

Weitere Mythen

Somit können auch Mythen wie, die magische Auswirkung des Vollmondes auf Geburtenraten, Verbrechen und Unfälle nie gänzlich aufgelöst werden. Statistisch gesehen konnten keine Verbindungen mit der Häufung der genannten Ereignisse an Vollmondnächten festgestellt werden. Trotzdem sind sich einige Krankenschwestern in Heilanstalten sicher, dass ihre geistig verwirrten Patienten in Vollmondnächten wesentlich unruhiger sind. Und so manche Hebamme ist felsenfest der Überzeugung, in Vollmondnächten deutlich mehr Kinder auf die Welt gebracht zu haben, als in anderen Nächten. Wie viel Magie und wie viel Zufall oder selbsterfüllende Prophezeiung am Ende hinter dem Geheimnis steckt, muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden.