19. NOVEMBER 2020

Faszination Schlafwandeln: Was steckt hinter dem Phänomen?

Schlafwandeln (Somnambulismus) ist ein besonders spannendes Phänomen, bei dem Meschen während des Schlafes aus ihrem Bett aufstehen, durch die Wohnung wandern, alltägliche Dinge tun, wie Essen und Trinken, und dabei fast wie ferngesteuert wirken. Genau wie das Träumen konnte Schlafwandeln bis heute noch nicht vollständig ergründet werden. Doch was weiss man über die wandelnden Schlafenden? Wir klären für euch Fakten und Mythen.

 

Was steckt hinter dem Phänomen Schlafwandeln?

Menschen, die Schlafwandeln sieht man meist nur in Filmen, wenn sie mit ihrer Schlafmütze auf dem Kopf über Dächer laufen und der Mond über ihnen hell leuchtet. Ist das alles nur erfunden? Nein! Schlafwandeln ist ein medizinisches Phänomen und wird dem Feld der Schlafstörungen zugeordnet. Denn Schlafwandler haben eine leichtere Tiefschlafphase als Nicht-Betroffene und daher auch einen unruhigen Schlaf. Wenn es zum Schlafwandeln kommt, erwacht bei den Betroffenen nur der Teil des Gehirns, der für unsere Bewegungsabläufe verantwortlich ist, die anderen Teile bleiben weiterhin im Schlafzustand. Das führt dazu, dass der Schlafwandler sich ohne bewusstes Ziel vorwärtsbewegen und in manchen Fällen sogar Gespräche führen kann. Am nächsten Tag wissen die Betroffenen nichts mehr von ihren nächtlichen Aktivitäten und können oft kaum Glauben was ihr*e Partner*in ihnen erzählt. Es soll sogar Betroffene geben, die sich morgens in einer blitzeblank geputzten Wohnung wiederfinden und sich nicht mehr an ihre nächtliche Putzaktion erinnern können.

Schlafwandler

Wer ist vom Schlafwandeln betroffen?

Dem Schlafwandeln liegt zumeist keine Krankheit zugrunde, bei 80% der Betroffenen lässt sich jedoch eine familiäre Häufung feststellen. Man vermutet demnach, dass die Hauptursache in unseren Genen steckt. In seltenen Fällen kann das Nachtwandeln aber auch an psychischen oder physischen Erkrankungen liegen.

Anders sieht das bei Kindern aus, bei ihnen ist das Phänomen weiter verbreitet, da ein unreifes zentrales Nervensystem ebenfalls eine Ursache des Schlafwandelns ist. Meist legt sich die Schlafstörung in der Pubertät jedoch wieder und ist daher kein Grund sich Sorgen zu machen.

Ist Schlafwandeln gefährlich?

Grundsätzlich sollte sich jeder Erwachsene, der plötzlich schlafwandelt, unbedingt von einem Arzt untersuchen lassen, da zum Beispiel eine Störung des Nervensystems, wie Epilepsie, oder eine andere körperliche Grunderkrankung vorliegen kann. Ist das Schlafwandeln ein Problem aufgrund psychischer Belastungen, wie Stress, Schlafmangel, einem geringen Selbstwertgefühl oder Angstzuständen, kann ein Psychologe helfen, um ungelöste Konflikte aufzuarbeiten und mögliche Trigger zu identifizieren und aufzulösen. Denn ein erholsamer Schlaf ist für unsere Gesundheit extrem wichtig.

Gefährlicher als die Ursachen des Schlafwandelns selbst, sind zumeist die ernsthaften Gefahren die es mit sich bringt. Da die Schlafenden sich ohne gesteuertes Bewusstsein fortbewegen, erkennen sie Gefahrenquellen, wie eine Stufe oder eine Klippe nicht. Bei extremen Schlafwandlern sollten daher Vorsichtsmassnahmen getroffen werden, wie die Haustür abzuschliessen.

Vom Mond angezogen

Doch was ist mit dem Mond, der in den meisten Schlafwandler-Szenerien auftaucht und den Schlafenden wie magisch aus seinem Bett zu locken scheint? Mythos oder Fakt? Wie viel Magie beim Schlafwandeln im Spiel ist, wird immer ein Geheimnis bleiben, Fakt ist jedoch, dass Schlafwandler immer in Richtung der hellsten Lichtquelle in ihrer Umgebung gehen. Bei Vollmond kann es also passieren, dass der Betroffene wie verzaubert auf den Mond zuläuft, nicht umsonst wurden sie früher oft als „Mondsüchtige“ betitelt.

Schlafwandeln und der Mond


 
Schlafwandeln ist ein spannendes Phänomen, welches noch viele Geheimnisse birgt, die vielleicht nie vollends geklärt werden können. Ein gewisser geheimnisvoller, mystischer Beigeschmack bleibt also…

 

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